Das „wahre“ Leben

In den Notizen der Originalmanuskripte reflektiert Bobkowski am 01.10.1940 erstmals über seine Reise durch Frankreich und vergleicht seine Erfahrungen mit denen seiner Frau Basia, die alleine in Paris geblieben war. Dabei bezeichnet er seine Entscheidung als egoistisch, romantisch; wie ein kleiner Junge, der nur Flausen im Kopf hat, sei er auf eine Abenteuerreise gegangen, während das wahre Leben zu Hause in all seiner Härte stattgefunden hätte. Während er seine Freiheit ausgekostet hat, so Bob, sei Basia zur Sklavin von den P.´s geworden, zwei Eheleute, die zu dieser Zeit den Bobkowskis eine kleines Dachzimmer für Bedienstete in Paris vermietet hatten.

An dieser Stelle erfahren wir auch, warum Bobkowskis erster Tagebucheintrag am 20.05.1940 stattfindet. Es ist nicht der erste Eintrag in sein Tagebuch; die übrigen Notizen, die Bobkowski sich ab dem 09. September 1939 bis zu diesem Tag gemacht hatte, wurden von seiner Frau Basia aus Angst vor den Nazis verbrannt. Wir finden eine ausführliche Notiz zu Basias Bewegründen in dem Eintrag vom 01. Oktober 1940, der hier in der deutschen Übersetzung vorliegt. Übersetzt hat Monika Polkowska.

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Aus den Originalmanuskripten:

01.10. 1940

Die erste Nacht nach meiner Rückkehr haben wir eigentlich bis zum Morgengrauen geplaudert. Ich erzählte Basia und Basia – mir. Meine Erzählung war romantisch – Sonne, saphirblaues Meer, Trauben, alles dem Leben so weit entfernt, wie damals diejenigen Tage in Carcasonne – auf der Reise, an der See, als ob aus einem Märchen ausgeschnitten. Manchmal kann ich kaum noch daran glauben. Sommerferien, die ich nie in meinem Leben gehabt hatte und, vermutlich auch nicht mehr haben werde.

Das, was Basia erzählt hat, war das [wahre] Leben – was für Ferien sie hatte! Es war mir nicht zumute ihr über mein Leben in den Monaten unserer Trennung zu erzählen. Während ich mich wie ein Junge unterhielt, musste sie unsere „Wohltätern“ ertragen. Ihr Ehrgeiz und Stolz machten diese „Plackerei“ doppelt so hart. In dem Moment, in dem die Verhältnisse sich änderten, zeigten diese ihre wahre Natur. All die Ereignisse und Gefechte sind kaum zu beschreiben.

Nach meiner Abreise am 12. Juni ist Basia alleine geblieben, zum Teil durch Ereignisse niedergeschlagen, die in diesen Tagen nacheinander folgten. Am 15. Juni sind die Deutschen in Paris einmarschiert. Hätte sie doch in diesen Tagen zwischen meiner Abreise und „Änderung des Systems“ einen Moment des Durchschnaufens gehabt. Ich habe mich schon in dem Zeitpunkt der Abreise prächtig unterhalten! Ich habe auf all das, auf die Flucht gepfiffen und all die Krawalle wie einen Sport betrachtet; im Grunde genommen hat mich all das amüsiert, denn ich sah es als ein Abenteuer. Es war für mich wie ein Kino, wobei ich selbst die Hauptgestalt dieses Films war. Es faszinierte mich einfach von Anfang an – ich war aufgekratzt und fühlte mich richtig am Platz. Nicht mein Land ging zugrunde – ich dachte nur an mich selbst und eigentlich fand ich es lustig. Hier eine Fahrt mit dem Auto unter Scharen von Flüchtlingen, da wieder ist eine Armee auf der Flucht; Bomben können gleich fallen, alles geht auseinander, man muss an sich selbst denken, man muss kombinieren, schlau sein, sich der Massenpsychologie nicht aussetzen – eine Verwirrung – man muss sich aus dem Staub machen, das Fahrrad, der Zug und wieder ein Fahrrad, so bis hin in einen Zufluchtsort in Carcassonne. Das Leben war so intensiv, das muss ich zugeben, und es hat mir gefallen. Ich glaube, man muss dazu eine gewisse Neigung haben – nur Flausen im Kopf zu haben, so wie ich und dazu noch alles von dieser Perspektive zu betrachten; da es mir alles auch gelungen ist und ich ein ausgesprochen großes Glück hatte, brauchte ich unter diesen Umständen keinen Konrad [Konrad Wallenrod – ein romantischer Held der polnischen Literatur] abzugeben [die Rolle des Konrad spielen]. Und dazu noch war ich absolut sicher, dass ich wiederkehre – dass es nur eine vorübergehende Trennung ist.

Der Mensch ist doch ein geborener Egoist. Unter solchen Umständen wie diese Flucht und ein Untergang des ganzen Landes – und dazu eines fremden – wird der Egoismus immer zum Vorschein kommen und gerade ihm ist es zu verdanken, dass man seine eigenen Interessen verteidigen kann. Meinetwegen. Ich habe mein Leben gerettet und aus dem ganzen Chaos bin ich mit einem Profit/Vorteil herausgekommen. Die Erzählung von Basia war nicht so „romantisch“.

Es zeigte sich vor allem, dass die Herrschaften P. Paris ganz heimlich verlassen wollten – am Vortag unserer geplanten Ausreise. Sie wollten uns einfach so verlassen, ohne eine einzige Nachricht – ganz heimlich verschwinden und sich keine Sorgen mehr um uns machen. Erst als sie es nicht schafften, als sie bemerkten, dass es unmöglich ist, Paris ohne Auto zu verlassen, hat die Frau P. uns den Weg auf der Treppe verstellt und mit rührenden Tiraden angefangen, „alle hätten sie schon verlassen, und wir würde ihnen wohl so was nicht antun“, etc. Und wir haben diesen Witz geschluckt, vertrauten diesem Gerede. Und doch noch einen Tag früher waren sie bereit, sich zu verziehen ohne uns ein Wort zu sagen, alleine sitzen zu lassen. Letztendlich bin ich am 12. losgefahren. Ich verließ das Haus gegen 11 Uhr. An demselben Nachmittag versuchten die P. noch einmal zu fliehen. Sie nahmen kleine Koffer und – diesmal mit Basia – fuhren zum Gare de Lyon. Sie standen in einem Menschengedränge von 6 bis 11 Uhr in der Nacht und konnten sich kaum bewegen. Die Leute haben sich in die Hosen gemacht. Basia erzählt mir, sie habe die ganze Zeit darum gebeten, dass die Reise nicht zu Stande kommen würde. Und der liebe Gott hat sie erhört, denn Frau P. hatte letztendlich einen hysterischen Anfall. Dann fing Basia an, sie zu überzeugen, dass die Reise einfach sinnlos ist – und die Alte hat zugestimmt. Als Pir mit den Fahrkarten zurück war und sie mitzuschleppen versuchte, geriet Beatrice fast in eine Schlägerei mit ihm, und sagte, sie habe einen Revolver dabei und falls sie nicht sofort nach Hause gingen, werde sie ihn auf der Stelle töten. Sie musste sehr überzeugend gewirkt haben, denn Pir, obwohl er die Hose voll hatte vor Angst vor den Deutschen, fand sich doch damit ab, nach Hause zurückzugehen. Er war gezwungen, zwischen einem garantierten und nicht garantierten Tod zu wählen. Als ein „vorsichtiger“ Mensch hat er den nicht garantierten gewählt und sie sind alle nach Hause zurückgekehrt.

Einige Tage später bekam Basia unerwartet Probleme mit der Küche, die sie in Lamandé geführt hatte. Zwei „Landsleute“, die der Lebensmittelvorräte, für die Basia den Schlüssel aufbewahrte, Herr werden wollten, haben eine Klage bei der Polizeistelle erhoben, Basia habe kein Recht auf diesen Schlüssel. Die Polizei hat Basia gezwungen, diesen Schlüssel zurückzugeben; als dieses Paar aber gerade dabei war, alles zu verkaufen, wurde die ganze Sache aufgeklärt. Das machte viele Umstände, es kam zu Verhören, etc.

Mitte Juli kam es zu dem ersten Krach zwischen Basia und Frau P.. Frau P. hat Basia alle ihre guten Taten bis auf kleinste Details vorgehalten, bis auf jedes uns geschenkte Foto, für das wir unverschämter Weise nicht versucht hätten, das Geld zurückzugeben; sie hat uns auch Möbel vorgehalten, die wir „kaputt gemacht haben“, alles, alles. Es war nicht schwer sich vorzustellen, wie sich das auf Basias ohnehin schon strapazierte Nerven auswirkte. Sie fasste den Entschluss, auszuziehen. Noch an diesem Tag hat sie sich ein Zimmer in Lamandé gesucht. Angesichts solch einer Entschiedenheit hat Frau P. den Streit gemildert – sie hat sich bei Basia entschuldigt und all die früheren Vorwürfe widerrufen… Basia ist geblieben und beschloss mit ihrer Arbeit all die Gefallen zurückzuzahlen. Sie war alles in einem: Dienstmädchen, Consierge und Gesellschafterin. Despotismus und Gefühl, auf beide angewiesen zu sein, und dazu noch keine Nachricht von mir – das hat sie in Verzweiflung gebracht.

Dazu noch hat Frau P. ihre Situation ausgenutzt und mit ihr gemacht, was sie wollte. Für sie hat Basia Schlange gestanden, Vorräte gehamstert, 20 Stockwerke Treppen mit Stahlspänen geschliffen und gebohnert, den Hof gefegt und dazu kommt noch, dass sie mit ihnen an einem Tisch saß und für jedes Stück Brot zahlte. Das Geld wurde eifrig entgegengenommen. Und so hatte Basia keine freie Minute für sich selbst, für uns hat sie so viel wie nichts gekauft und jetzt, nach meiner Rückkehr, haben wir fast keine Vorräte. Frau P. hat aber 50 kg Zucker, 20 kg Schokolade, einen Sack Kakao, etc. Egal, das ist nicht mein Bier!

Basia hat sich in eine kleine, von einer Spinne umwickelte Fliege verwandelt – sowohl körperlich als auch moralisch. Jeder ihrer Schritte stand unter Kontrolle, und Briefe, die sie mir nach Carcasonne schrieb, mussten eine Zensur durchgehen, dass da ja nichts „unvorsichtiges“ steht. Furcht vor den Deutschen nahmen sie [Herrn und Frau P.] seit den ersten Tagen der Besetzung in Beschlag. Pir hat das Haus innerhalb der ersten zwei Wochen nicht verlassen. Unter ihrem Druck war Basia gezwungen, meine zwei ersten Hefte zu verbrennen – Notizen seit 9. September 1939 bis Mai 1940.

(aus den Originaltagebüchern (siehe Fotografien), die mir Łukasz Mikołajewski netterweise zur Verfügung gestellt hat. Die Originale liegen in New York, im Polish Institute of Arts and Sciences of America (PIASA), http://www.piasa.org)

2 Versionen einer Rückkehr

Bob kehrt am 29.09.1940 zu seiner Frau Basia nach Paris zurück. Sie haben sich das letzte Mal Anfang Juni gesehen, vor 4 Monaten also. Bob steht nach dieser langen und intensiven Reise vor seinem Haus, er weiß nicht, was ihn zu Hause erwartet. Die Nazis haben im Juni Paris besetzt und er hat seitdem kaum Nachricht von seiner Frau bekommen. An dieser Stelle ist es sehr aufschlussreich, das Original mit den überarbeiteten und publizierten Tagebüchern zu vergleichen. Es sind zwei verschiedene Versionen, eine ist für den Leser bestimmt, die andere ist eine private Aufzeichnungen über die eigentliche Rückkehr und die Probleme, die sie mit sich bringt. Vielleicht lässt sich die überarbeitete Version auch als Wunschdenken lesen, der Held kehrt nach Hause zurück und wird mit Freudentränen empfangen:

aus den publizierten Tagebüchern:

29.09.

(…)Es ist so finster, daß wir uns beinahe vorwärtstasten müssen. Rue Richelieu, Rue Laffitte. Nach einer Weile erkenne ich die Umrisse der Säule von Notre-Dame de Lorette. Ich sage leise zu Tadzio, daß wir schon zu Hause sind. Die Straßen hier sind leer wie Kellergewölbe. Mein Herz schlägt so stark, daß ich in dieser Stille jeden einzelnen Schlag deutlich hören kann. Meine Kehle krampft sich zusammen. Ich öffne das Tor. Ich lasse Tadzio mit den Rädern im Hof zurück und laufe die Treppe hinauf. Ich läute. P. öffnet. Ich stoße ihn zur Seite und eile in die Küche. Ich sage nur einen Namen und spüre überall die Wärme des Körpers, der sich anschmiegt, sich in meine Arme preßt, den Duft der Haare, die Augenhöhlen unter meinem Mund, den Geschmack der Tränen, salzig und heiß…

(aus: Wehmut? Wonach zum Teufel? Rospo Verlag Hamburg, 2000, S238/239)

Die Originalversion der Ereignisse ist weitaus ausführlicher beschrieben und erzählt eine andere Geschichte. Bob findet seine Frau wieder, die jedoch völlig verändert ist, seine romantischen Vorstellungen von dem Wiedersehen werden von der Realität eingeholt.

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Aus den Original-Tagebüchern:

29.09.

Die Straßen sind leer wie Kellerkerker. Wir sind in der St. Lasar. Mein Herz schlägt so heftig, dass ich jeden Schlag ganz genau höre. Einfach kaum zu beschreiben. Ich bin so gerührt, dass es mich in der Kehle würgt. Ich mache das Tor auf und wir rollen unsere Fahrräder in den Hof hinein und lehnen sie an die Treppe. Ich lasse Tadzio warten. Er sagt nur: „Geh schon, lass dir Zeit“. Ich laufe die Treppe hoch, drücke zwei Mal – so wie immer bei den Herrschaften P. Ich höre Pir die Tür öffnen. Er macht auf und ihm stockte der Atem.

Bonsoir Monsieur Docteur!

Ich weiß nicht mehr, was er sagte, er hat mich einfach in die Küche gedrängt. Basia stand bei den Wasserrohren und hat das Geschirr gespült. Eine Salzsäule schien im Vergleich zu Basia eine Balletttänzerin zu sein. Ich sagte: „Basia“ und drückte sie an die Brust. Was kann man dazu sagen: versuch doch einmal so stark zu lieben, mit dem Gedanken „vielleicht-niemals-wieder“ loszufahren und dann auf einmal zurückzukommen. So blieben wir in dieser Küche eine gute Weile stehen. Basia brach nicht in Tränen aus – ich wusste, dass etwas nicht klappte – sie haben sie erledigt. Meine Trägheit trug mich noch 135 Km weiter. Frau P. hat mich zwar laut, jedoch nicht ehrlich begrüßt. Ich weiß schon, was hier los ist. Warte nur, du alte Hexe! Eigentlich habe ich all das schon irgendwie geahnt, gespürt, so dass ich nicht ganz überrascht war. Wie in einem Traum fing Basia an, herumzuhantieren. Ich sage ihr auf Polnisch, dass auf dem Hof mein Kollege wartet, mein bester Freund, dass er wohl bei uns übernachten könne. Sie hat mich ins Treppenhaus rausgeführt und sagt mir, so nervös und beängstigt und gleichzeitig irgendwie hart und betäubt, es sei unmöglich. Tadzio muss sich ein Hotel suchen. „Jędrek, es hat sich hier inzwischen viel geändert, ich erzähl’s dir später, es ist unmöglich, es ist einfach unmöglich, Tadzio kann nicht bei uns übernachten – sie fürchten sich vor ihren eigenen Schatten, etc., etc.

Es traf mich der Schlag. Ich fing an, im Innenhof zu fluchen und da ich vor Tadzio nicht drumherum zu reden brauche, sagte ich ihm ganz schlicht, worum es hier ging. Als ob es nicht schlimm genug ist, dass sie meine Frau verarscht hatten und sie kaum zu erkennen ist, dazu noch solch ein Teufelswerk! Darauf hin kam Pir auf den Hof und lud uns nach oben ein. Über Übernachtung würden wir später diskutieren, jetzt müssten wir was essen, etc. Firlefanz mit charmantem Lächeln.

Wir gingen nach oben. Basia wurde noch steifer. Sie konnte mir nur ins Ohr flüstern: „Nimm nichts von ihnen – habt ihr was eigenes zu essen?“ Ich habe sofort verstanden. Aber Frau P. [wollte] unbedingt Reste vom Braten, eine Suppe [anbieten]. Basia hat sich gewehrt – sie sagt mir erneut „Esst nicht zu viel – ich gebe euch mehr oben“. Aha, denke ich mir, diese Basia, sie hatte es schwer hier. Sie ist so abgemagert, mein armes Ding – ich kann nicht aufhören, sie mir ständig anzuschauen und wir haben einander angelächelt. Sie muss einfach ohne mich vergessen haben, wie es ist, zu lachen. Das Gespräch ist ziemlich chaotisch. Pir hat darauf bestanden, dass Tadzio doch im dritten Stock in einer leeren Wohnung schläft. Sobald wir mit dem Abendbrot fertig waren, haben wir da ein Bett mit Matratze hingestellt, obwohl Basia offensichtlich damit nicht einverstanden war. Ich ordne meine Sachen und höre Frau P. zu Pir sagen: „Lass das, Barbara räumt morgen auf“ Als hätte mir einer einen Tritt versetzt! So ist es! So sprechen sie über Basia wie über ein Dienstmädchen! Da haben die Bösewichte ein bequemes Leben – ein Dienstmädchen gratis, denn ich bin mir sicher, dass Basia für jeden kleinsten Bissen ihnen zahlt und dazu noch den ganzen Tag lang schuftet. Ich habe mich beherrscht. Wir haben das Bett für Tadzio hergerichtet, Fahrräder und Gepäck bei uns oben mit Tadzio hinaufgetragen – eine Gute Nacht allen. Endlich sind wir alleine und klettern in den sechsten Stock hinauf. Ich wasche mich in der Küche in einer Waschwanne. Ich quatsche Basia absichtlich an und tue so, als merkte ich ihre Steifheit nicht. Ach, was das alte verdammte Weib aus Basia alles gemacht hat! Gleich wird Basia wieder munter. Ja, sie muss doch auch wegen meiner Rückkehr ganz verwirrt sein – mit ihrem üblichen Pessimismus hat sie bestimmt mit nichts mehr gerechnet. Ich frage nach Neuigkeiten – dies oder das – ich lache, ich zeige ihr meine braungebrannte Haut, meine Muskulatur. Und sie dagegen sagt nur das, was weh tut und mich verblüfft. Ich lass mich nicht von diesen Nachrichten schaffen. Nur eins zieht mir echt durch die Rübe [nur eins hat mich wirklich schwerstens getroffen]. Sie hat zwei Hefte meiner „Memoires“ verbrannt, wenn auch unter Druck von Herrschaften P. Da kocht mir das Blut in den Adern. 240 Seiten meiner Notizen seit dem Kriegsausbruch. Uff – ich habe es geschafft, mich zu beherrschen – morgen denke ich wieder darüber nach. Basia war sowieso den Tränen nah, als sie mir das erzählte.

Wir gehen schlafen – Basia und ich. Wir sind nicht mehr daran gewöhnt – mit Ausziehen zögert Basia irgendwie. Komisch. Ich komme mir auch selbst dumm vor, wenn ich sie bei mir im Bett wahrnehme. Seit vier Monaten….

Ich fing an, ihr all das, was ich gesehen und erlebt habe, zu erzählen. Wir haben fast bis zum grauen Morgen geplaudert …

(aus den Originaltagebüchern S 119, 120 (siehe Fotografien), die mir Łukasz Mikołajewski netterweise zur Verfügung gestellt hat. Die Originale liegen in New York, im Polish Institute of Arts and Sciences of America (PIASA), http://www.piasa.org)

Übersetzt hat Polkowska Monika

Bob über Bob

Auf der gut recherchierten Internetseite des polnischen Radios http://bobkowski.polskieradio.pl findet man sehr  aufschlussreiche Informationen über Bobkowski. Unter anderem entdeckte ich dort einen Lebenslauf, den Bobkowski über sich selbst verfasst hat. Ich habe den Lebenslauf von Monika Polkowska übersetzen lassen, die darüber erstaunt war, dass Bobkowski in deutschen 100-Kilometer-Sätzen, wie Monika meinte, über sich selbst schrieb. Vielleicht ist sein Schreibstil Zeuge davon, dass er im deutschen Sprachraum geboren wurde und selbst auch Deutsch gelernt hat.

Bobkowski berichtet in den Tagebüchern über das Fräulein Dora Vogel, „der Deutschlehrerin, die mit mir oft viel länger als eine Stunde saß, zum eigenen Vergnügen (sie berechnete nur eine Stunde), und mich mit der ganzen unglücklichen Liebe der Jüdin zu den Deutschen (…) fütterte.“ (aus: Wehmut? Wonach zum Teufel?, Saint Raphael, 12.09.1940, S 135)

Eine Seite weiter schreibt er lustigerweise in sein Tagebuch: „Die Deutschen, das Deutsche Denken mit seinen Ausdünstungen, unbefriedigt, gotisch, so wie der Kölner Dom, den ich nicht ausstehen kann. Die Deutschen haben diese verworrene, schreckliche Sprache geschaffen, in der wir nie wissen, was das Wort „Kultur“ wirklich zu bedeuten hat. Ob von einer Wohnung mit Badezimmer die Rede ist, von Goethe, oder ob man vielleicht „Marsch, marsch“ brüllt. Die Deutschen haben uns die hysterische Verwendung der Substantive gelehrt, mit denen man so vorsichtig umgehen sollte wie mit einer entsicherten Waffe.“  (aus: Wehmut? Wonach zum Teufel?, Saint Raphael, 12.09.1940, S 136)

Hier also sein Lebenslauf, auf Deutsch und Polnisch, Bob über Bob:

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LEBENSLAUF – SYNOPSIS

Geboren am 27.X.1913 in Wiener-Neustadt, Austria.
1924-1933 Gymnasium in Toruń (zwei erste Jahre) und in Krakau, Nadworski-Bartłomiej-Gymnasium, ehem. St.-Annas. 1933 bis 1936 Studium an der Haupthandelsschule (Szkoła Główna Handlowa) in Warschau mit Abschlussdiplom nach allen vorgeschriebenen, bestandenen Prüfungen (Diplom Nr. 1929).
1937 bis März 1939 bewarb er sich erfolglos um eine Beamtenstelle in der Industrie. Er hat am 26. Dezember 1938 geheiratet und sich bis heute nicht scheiden lassen. Er hat sich daran einfach gewöhnt. Seine Frau nicht. Da er es in seiner Umgebung nicht aushalten konnte und dabei alles getan hat, damit die Umgebung auch ihn nicht zu ertragen vermochte, was ihm auch ausgesprochen gut gelungen ist, ist er im März 1939 nach Frankreich ausgereist. Zum Zeitpunkt des Kriegsausbruches befand er sich in Paris und wie immer, folgend der heiligen Pflicht unserem beliebten Vaterland gegenüber, war er einer der ersten Freiwilligen, die sich beim Einberufungsbüro für Freiwillige der Polnischen Armee in Frankreich, 42 rue Jean Goujon gemeldet haben; die vorläufige Bescheinigung vom 7. September 1939 Brief No. C/III/196.
Während er auf die Einberufung zum Militärdienst wartet, verdient er sein Geld mit Wäschewaschen und eröffnet, um auf die Stütze nicht angewiesen zu sein, die polnische Wäscherei für Flüchtlinge namens „Monsieur Sans-Gęne, Chlorcio i S-ka“, wo nur Unmengen von Wäschebleiche und er arbeiten. Gerade dann erwacht in dem Autor der ausgezeichneten „Federskizzen“ seine literarische Begabung und sein Wahrnehmungsvermögen, denn die gewaschene Wäsche von vielen in Paris eingetroffenen Persönlichkeiten lässt ihm diese Persönlichkeiten auch sensu stricto von innen her kennenlernen. Es entstehen die ersten Notizen unseres hervorragenden Schriftstellers, die jedoch wegen der zu intimen Informationen, die er damals dank der schmutzigen Wäsche bekommen hat, erst nach seinem Tod veröffentlicht werden. Instytut Literacki [poln. Verlag in Paris] kann seinen Lesern mit Stolz mitteilen, dass es Urheberrechte für diese ohnehin kontroverse Notizen erhalten hat. Der Herbst ist gerade fort, der Winter geht vorbei und die Einberufung ist nach wie vor nicht da. Seinem Wunsch folgend, sein Leben dem Vaterland zu opfern, meldet sich der Autor der Skizzen immer wieder beim Einberufungsbüro, wo man ihm stets versichert, er würde in die Bretagne mit dem nächsten Transport geschickt werden, doch die Einberufung kommt nicht. Es ist anzunehmen, dass man wegen seiner nahen Verwandtschaft mit den Personen, die in der Vor-September Sanacja-Regierungs-Clique hohe Posten bekleideten [Sanacja – umg. Bezeichnug für die polnische Regierung 1926-39], ihm die Einberufung in die Polnische Armee in Frankreich verweigerte und ihn somit des einzigen Privilegs des echten Polen beraubt hat, nämlich für das Vaterland möglichst viele Male getötet zu werden. Er musste seinen interessanten Beruf als Wäscherin auf den Haken hängen, denn er hatte Rheuma in den Händen, das er sich beim Waschen zugezogen hatte. Er hatte sich daher im Februar 1940 bei einer französischen Munitionsfabrik als Arbeiter mustern lassen, wo er auch bald von einem Facharbeiter (manoeuvre specialisé) zu einem Beamten im Polnischem Büro dieser Fabrik degradiert wurde, weil sie dort über 400 polnische Arbeiter beschäftigten. Da sein Französisch fließend war, hat ihn die französische Fabrikleitung mit heiklen polizeilichen Angelegenheiten von den in die Fabrik herbeiströmenden polnischen Arbeitern beauftragt, die ganz oft mit gefälschten Dokumenten aus Rumänien nach Frankreich gelangt sind. Das reichte aus, um von seinen polnischen Arbeitskollegen für einen Agenten des Deuxième Bureau gehalten zu werden; deswegen hatte er sehr nette Arbeitsbeziehungen. Er hat dort am 9. März 1940 vom Ministerium für Militärangelegenheiten eine Dienstbefreiung für 3 Monate, bis zum 15. Juni bekommen. Zum Glück konnten die Deutschen noch vor diesem Datum Paris so nahe kommen, dass der Autor von den Skizzen sich nicht mehr erneut um die Freistellung vom Wehrdienst zu bewerben brauchte und mit seiner angeborenen Mentalität eines Deserteurs hat er Paris verlassen, mit der Idee nach England zu gelangen, um dort seine Freistellung zu verlängern. Leider hat es nicht geklappt. Die gesamte Zeit der deutschen Besatzung verbrachte er in Paris, schrieb seine, in ewiger Erinnerung bleibenden Federskizzen, und in den von der Nichtstuerei freien Momenten war er in der Sozialarbeit tätig oder leistete seinen Landsleuten Hilfe.
Nach der Befreiung von Paris eröffnet er im Auftrag der PKO-Leitung die Polnische Buchhandlung in Paris und leitet sie bis Dr. [Stanisław] Lam sie im März 1939 übernimmt. Seit April 1946 arbeitet er in der polnischen YMCA [Young Men’s Christian Association]. Von April bis Juni 1948, also bis zu seiner Ausreise aus Europa, gehörte er dem „Kultura”- Team an, das ihn als unermüdlichen Mitarbeiter mit titanischer Energie und Arbeitspotential zu schätzen lernte. Seine abrupte Ausreise aus Europa und das Verlassen des Teams wurde für den Leiter dieses Teams – Herrn Jerzy Giedroyć – zu einer Lebenstragödie, die ihn bis heute beschäftigt, obwohl er nie richtig versuchte, sie loszuwerden.
Seit 1948 lebt Bobkowski in Guatemala, Mittelamerika, und hält sich da bis heute als ein in Handelskreisen dieser mittelamerikanischen Republik bekannter und angesehener Krämer auf. Politische Weltanschauung: ein liberaler Reaktionär mit einer realistischen anti-intellektuellen Färbung, mit starker antikommunistischer Prägung und zoologischem Hass auf Russland, den ihm sein Vater schon von klein auf beigebracht hat. Lieblingssport: Katzen lausen und Mini-Golf. Beliebte Gesellschaftsspiele: Münzfußball und Cerceau. Lieblingsgetränke: Whisky „Seagram’s“ V.O. oder „Canadian Club“. Lieblingsspeisen: einfaches Soldatenessen. Träume: Huren auf dem Mars besuchen. 
Religion: römisch-katholisch. Äußerst religiös – sein gesamtes Personal muss das Abendmahl einnehmen. Pläne für die Zukunft: möglichst weit von Polen entfernt sterben. Pläne für die entfernte Zukunft: ein Gespenst auf dem Kreml sein und in ständigem telepathischem Kontakt mit Redakteur Giedroyć stehen. So wie Giedroyć mit Mieroszewski. Lieblingsbuch: Aphrodite von Pierre Louys. Nachfolge Christi von Thomas von Kempen, also Sex und Sadismus. 
Beliebte Schriftsteller: es kommt darauf an.
Lieblingszitat: „Heidentum, Christentum, Dummkopftum, das sind die drei großen Evolutionen der Menschheit! (Flaubert, Briefe), etc.

Übersetzung: Polkowska Monika

SINOPSIS ŻYCIORYSU

Urodzony 27.X.1913 w Wiener-Neustadt, Austria.
1924-1933 gimnazjum w Toruniu (dwa pierwsze lata) i w Krakowie, gimnazjum imienia Bartłomieja Nowodworskiego, dawniej św. Anny. 1933 do 1936 studia w Szkole Głównej Handlowej w Warszawie, gdzie uzyskuje dyplom po zdaniu przepisanych egzaminów. (Liczba dyplomu 1929).
1937 do marca 1939 starał się bez powodzenia być urzędnikiem w przemyśle. Ożenił się 26 grudnia 1938 roku i do dziś dnia nie rozwiedziony. Przyzwyczaił się. Żona nie. W marcu 1939 roku wyjechał do Francji, nie mogąc wytrzymać w rodzinnym środowisku i zrobiwszy wszystko, co w jego mocy, aby środowisko nie mogło wytrzymać z nim, co mu się absolutnie udało.
W chwili wybuchu wojny znajdował się w Paryżu i zawsze posłuszny świętym obowiązkiem wobec ojczyzny naszej najkochańszej, był jednym z pierwszych ochotników, którzy zgłosili się do Biura Werbunkowego Ochotników Armii Polskiej we Francji, 42 rue Jean Goujon, zaświadczenie tymczasowe z dnia 7 września 1939 r. List No C/III/196.
Oczekując na powołanie do wojska i nie chcąc korzystać z pomocy społecznej, utrzymuje się z prania bielizny, założywszy polską pralnię dla uchodźców pod firmą „Monsieur Sans-Gęne, Chlorcio i S-ka“, w której obok obficie używanego chlorku,czyli żawelu, był jedynym pracownikiem. Wtedy to w przyszłym autorze znakomitych Szkiców piórkiem budzi się po raz pierwszy talent literacki i spostrzegawczość, gdyż prana bielizna wielu osobistości zjawiających się w Paryżu pozwala mu na poznanie tychże osobistości także sensu stricto od środka. Wtedy to powstają pierwsze notatki naszego znakomitego pisarza, które zostaną jednak opublikowane dopiero po jego śmierci ze względu na zbyt intymne informacje, jakie autor zebrał w tym czasie dzięki brudnej bieliźnie. Instytut Literacki może z dumą już powiadomić swoich czytelników, iż uzyskał pierwszeństwo na publikację tych niewątpliwie kontrowersyjnych notatek.
Minęła jesień, mija zima, a powołania do wojska jak ni ma, tak ni ma. Autor Szkiców piórkiem, chcąc jak najszybciej oddać życie w ofierze ojczyźnie, zjawiał się szereg razy w biurze poborowym, gdzie nieodmiennie zapewniano go, że wyjedzie do Bretanii następnym transportem, ale powołanie nie przychodziło. Należy przypuszczać, iż będąc spokrewniony blisko z osobami piastującymi wysokie stanowiska w przedwrześniowej klice rządowo-sanacyjnej, pachołki Sikorskiego uniemożliwiły mu wstąpienie do Polskich Sił Zbrojnych we Francji i pozbawiły jedynego przywileju prawdziwego Polaka, jakim jest zginięcie za ojczyznę w pierwszym szeregu, tyle razy, ile się da. Nie mogąc dalej kontynuować swego interesującego zajęcia praczki ze względu na reumatyzm rąk, którego nabawił się w tym zawodzie, wstąpił do francuskiej fabryki amunicji jako robotnik w lutym 1940, gdzie jednak bardzo szybko został zdegradowany ze stopnia pracownika wyspecjalizowanego (monoeuvre specialisé) do roli urzędnika przy Biurze Polskim w tejże fabryce, zatrudniającej ponad 400 robotników Polaków uchodźców. Ponieważ władał swobodnie językiem francuskim, dyrekcja francuska poleciła mu delikatne sprawy policyjne napływających ciągle do fabryki robotników polskich, wyposażonych często w fałszywe papiery celem przedostania się z Rumunii do Francji. Wystarczyło to, aby natychmiast został uznany przez swoich kolegów biurowych Polaków jako agent dwójki francuskiej, dzięki czemu miał bardzo miłe stosunki pracy. Tam też pismem Ministerstwa Spraw Wojskowych z dnia 9 marca 1940 roku uzyskał kartę zwolnienia od służby wojskowej na przeciąg trzech miesięcy do 15 czerwca. Na szczęście Niemcy przed tym terminem tak zbliżyli się do Paryża, że autor Szkiców piórkiem nie musiał się powtórnie starać o zwolnienie od służby wojskowej i mając zawsze mentalność dezertera, wyszedł z Paryża z myślą przedostania się do Anglii, aby tam prolongować swoje zwolnienie z wojska. Niestety to mu się nie udało. Całą okupację przebył w Paryżu zajmując się czarnym handlem, pisząc pomnikowe Szkice piórkiem i w chwilach wolnych od nicnierobienia zajmując się pracą społeczną i pomocą swoim rodakom.
Po uwolnieniu Paryża otwiera z upoważnienia dyrekcji PKO Księgarnię Polską w Paryżu, zostawszy jej kierownikiem aż do chwili objęcia tej placówki w marcu 1945 przez doktora [Stanisława] Lama. Od kwietnia 1946 kwietnia 1946 pracuje w polskiej YMCA. Od kwietnia 1946 aż do czerwca 1948, tzn. do chwili wyjazdu z Europy, jest współpracownikiem Zespołu „Kultury“, gdzie autor nieocenionych Szkiców piórkiem daje się poznać jako niezmordowany pracownik o tytanicznej energii i potencjale pracy. Jego nagły wyjazd z Europy i opuszczenie Zespołu stało się dla kierownika tegoś Zespołu, pana Jerzego Giedroycia, tragedią życiową, z której do dziś dnia nie może się otrząsnąć; pomimo, że nigdy nie próbował tego uczynić.
d roku 1948 Bobkowski jest osiedlony w Guatemali, Ameryka Środkowa, i do dziś dnia tam przebywa, będąc znanym i cenionym sklepikarzem w kołach handlowych tej republiki środkowoamerykańskiej. Przekonania polityczne: liberalny reakcjonista o realistycznym zabarwieniu antyintelektualnym z silnymi akcentami antykomunizmu i zoologicznej nienawiści do Rosji, wszczepionej mu przez ojca od dziecka.

Ulubione sporty: iskanie kotów i minigolf 
Ulubione gry towarzyskie: Cimbargaya i cerceau 
Ulubione trunki: Whisky „Seagram’s“ V.O. albo „Canadian Club“ 
Ulubione potrawy: proste, żołnierskie 
Marzenia: móc polecieć na dziwki na Marsa 
Religia: rzymskokatolicka. Bardzo religijny – wymaga, aby cały jego personel sklepowy chodził do komunii 
Plany na przyszłość: umrzeć jak najtaniej z dala od Polski 
Plany na dalszą przyszłość: być duchem na Kremlu i mieć stałe połączenie telepatyczne z redaktorem Giedroyciem. Takie samo jak Giedroyc z Mieroszewskim 
Ulubiona lektura: Aphrodite Pierre Louysa. Naśladowanie Chrystusa Tomasza a Kempis, czyli sex i sadyzm. 
Ulubieni pisarze: zależy jacy 
Ulubiony cytat: „Są trzy wielkie ewolucje ludzkości: poganizm, chrześcijaństwo, chamstwo“ (Flaubert – Listy) itd.

Quelle: http://bobkowski.polskieradio.pl

Interview mit Martin Pollack, Übersetzer der Tagebücher

Ich habe Martin Pollack vor ein paar Jahren in Bukarest anlässlich einer Lesung aus seinem Buch  „Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater“ an der Fakulät für Fremdsprachen getroffen. In seinem Buch „Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater“ (2004) rollt er die nationalsozialistische Lebensgeschichte des eigenen Vaters auf. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tote_im_Bunker

Ich war zu dieser Zeit OeAD-Lektorin an der Uni Bukarest. Ich kannte Bobkowski damals nur aus der Französischen  Übersetzung „En Guerre et en Paix, journal 1940-1944″.

En guerre...

TagebueherErst als ich nach Polen umzog, hab ich die deutsche Übersetzung „Wehmut? Wonach zum Teufel? entdeckt, die von Martin Pollack gemacht und im Rospo Verlag 2000 herausgegeben wurde. Damals hatten wir schon die Idee für unser Bobkowski Projekt www.undjetztbobkowski.de  und nahmen wieder Kontakt mit Martin auf.

08.02.2006 WARSZAWA - MARTIN POLLACK - PISARZ , BYLY REDAKTOR I KORESPONDENT CZASOPIMA " DER SPIEGEL " FOT. BARTOSZ BOBKOWSKI / AGENCJA GAZETA

Bildquelle: https://czarne.com.pl/katalog/autorzy/martin-pollack

Martin Pollack wurde 1944 in Oberösterreich geboren und ist Journalist, Schriftsteller und literarischer Übersetzer.

Nach seiner Ausbildung zum Bau- und Möbeltischler schlug er eine akademische Laufbahn ein und studierte Slawistik und osteuropäische Geschichte. Bereits während seines Studiums in Wien und Warschau arbeitete Pollack als Übersetzer und Reporter. Seine intensive Beschäftigung mit der geschichtlichen Entwicklung Osteuropas und seine diesbezügliche journalistische Tätigkeit bilden bis heute die Grundpfeiler seines Werks.

Pollack, der sich durch die historische Aufarbeitung von Nationalsozialismus und Kommunismus sowie durch seine Übersetzertätigkeit für die Verständigung zwischen Polen und Österreich einsetzt, wurde für dieses Engagement bereits vielfach ausgezeichnet. 2003 erhielt der Autor das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen sowie den Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzungen. 2007 wurde er mit dem Karl-Dedecius-Preis für polnische und deutsche Übersetzer und dem Toleranzpreis des österreichischen Buchhandels geehrt. Für sein Gesamtwerk erhielt Pollack außerdem 2010 den Georg-Dehio-Buchpreis.

Schriftliches Interview mit Martin Pollack

Wie bist du auf das Buch gestoßen?

Die Verlegerin hat mich aufgefordert, das Buch zu übersetzen, es war also eine Auftragsarbeit, was ich sonst fast nie gemacht habe. Aber das Buch hat mich sofort überzeugt, ja, begeistert …

Warum hast du dich dazu entschlossen, die Tagebücher von Andrzej Bobkowski zu übersetzen?

Siehe oben – und dazu kommt, und das ist wichtig, dass ich damals die nötige Zeit hatte …

Was gefällt dir besonderes an den Tagebüchern?

Der ganz besondere literarische Stil Bobkowskis, auch natürlich die Thematik, die Zeit hat mich immer interessiert.

Warum dieser Titel “Wehmut? Wonach zum Teufel?” ?

Eine gute Frage – den hat die Verlegerin sich gewünscht – ich persönlich war dagegen, aber der Titel liegt am Ende immer in der Verantwortung des Verlags.

Was denkst du persönlich über den Autor?

Ich finde Bobkowski sehr faszinierend, sein Entschluss, mit Europa zu brechen – nicht nur mit Polen, das hatte einsichtige Gründe, dorthin konnte oder wollte er nicht zurückkehren. Aber es gab wenige Autoren, die so radikal mit Europa insgesamt gebrochen haben. Ob er am Ene glücklich war über die Entscheidung, ist eine andere Frage. Aber ich bin kein Bobkowski-Experte …

War oder ist dir bekannt, dass die Originalskizzen der Tagebücher in New York liegen und hast du sie jemals gelesen?

Ja, das wußte ich, aber gesehen habe ich sie nicht. Der Verlag, für den ich das übersetzt habe, war ja sehr klein (und ist auch bald wieder eingegangen, ich hoffe, da war nicht Bobkowski dran schuld), der hatte nicht das Geld, noch aufwendige Recherchen oder Ähnliches zu finanzieren …

Hat sich deine Meinung gegenüber dem Buch geändert, als dir klar wurde, dass Bobkowski Jahre nachdem er die Tagebücher geschrieben hat, sie noch einmal überarbeitet und geändert hat?

Nein, nicht wirklich.

Kannst du dich an Schwierigkeiten bei der Übersetzung erinnern?

Ja, das Buch hat mir streckenweise große Schwierigkeiten bereitet, ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich „hineingefunden“ habe, den richtigen Ton … auch vom Vokabular her war es teilweise sehr anspruchsvoll, aber das ist normal.

Sollten die Tagebücher in ihrer Vollständigkeit übersetzt werden?

Ja, natürlich, wir haben ja nur den ersten Teil gemacht, dann ging der Verlag, soweit ich mich erinnern kann, pleite, leider.

Waren andere Verlage auch interessiert oder wie kam es dazu, dass die Tagebücher im Rospo Verlag erschienen?

Ich glaube nicht, dass es da eine große Konkurrenz gab – ich weiß auch nicht mehr, wie die Verlegerin, die ja nicht Polnisch konnte, auf Bobkowski gestoßen ist.

Wie ist das Buch beim deutschsprachigen Publikum angekommen?

Meiner Erinnerung nach recht gut, aber ein kleiner Verlag hat wenig Möglichkeiten, große Werbung zu machen – und das braucht es bei einem unbekannten Autor, noch dazu aus Polen – die polnische Literatur hatte damals noch erheblich mehr Schwierigkeiten auf dem deutschen Markt als heute, da hat sich vieles zum Positiven verändert.

Kannst du dir erklären, warum Bobkowski im deutschsprachigem Raum (und nicht nur dort) so wenig bekannt ist?

Nein, eigentlich nicht, auch die Thematik sollte die Menschen mehr interessieren … aber man weiß es nie, vielleicht kommt der Durchbruch noch, zu wünschen wäre es.

Schule in Krakau

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Andrzej Bobkowski war Schueler im Liceum Ogólnokształcącego am Platz Groblach 9 in Krakau.

Die Schule wurde bereits 1588 eroeffnet. Wir suchen in der Schule nach Spuren von Andrzej Bobkowski.

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Man schickt uns zur Bibliothekarin Anna Kulinska. Frau Kulinska kennt Bobkowski, hat auch ein Exemplar der Tagebuecher in der Schulbibliothek.

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Die Schueler leihen sich das Buch aber kaum aus, denn der Autor ist ihnen unbekannt. Bobkowski wird im Unterricht nicht behandelt, obwohl er ein Absolvent dieser Schule ist.

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Andrzej Bobkowski absolvierte die Schule im Jahr 1933. Er musste die Matura wiederholen und fing erst ein Jahr spaeter als seine Klassenkameraden zu studieren an.

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Die Schule ist in der Naehe vom Wawel, der ehemaligen Residenz der polnischen Könige in Krakau gelegen.

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Bobkowski muss wohl des oefteren am Flussufer der Weichsel gesessen und Richtung Wawel geschaut haben. Es ist ein wunderschoener, aber schon kalter Herbsttag.

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Webseite der Schule: http://www.nowodworek.krakow.pl